Unsere Kilianskirche

Geschichte

Kilianskirche von der Sonnengasse aus

    Der älteste Kirchenbau geht vermutlich ins 11. Jahrhundert zurück.

    Erbaut von den Herren von Talheim, deren Wappen, ein Turnierkragen (auch Rechen oder lange Brücke) überall in der Kirche zu sehen ist. Die Kirche gehörte vor der Reformation zur Diözese Würzburg und ist dem Heiligen der Franken, St. Kilian, geweiht.

    Es handelt sich um eine Chorturmkirche, einem Kirchentyp, der besonders im Unterland stark vertreten ist; Beweise dafür sind Schlitze und Scharten am Turm, aber auch am Nordeingang.

    Die Herren von Talheim waren im 15. und 16. Jh. treue Gefolgsleute der Grafen (ab 1495 Herzöge) von Württemberg und sind wohl 1534 nach der Schlacht bei Lauffen zum evangelischen Glauben übergetreten. Das genaue Datum ist nicht bekannt, 1553 verhandelt jedoch der Eßlinger Rat mit Bernhard von Talheim über die Berufung des Pfarrers Mosellanus nach Eßlingen.

    Die Herren von Talheim hatten den Zehnten als Lehen von Würzburg, sie waren deshalb als Patronatsherren für die Bestellung und Besoldung der Pfarrer zuständig.

    1597 verkaufte der letzte Talheimer Hans-Ulrich v. T. die Zehntrechte, von da an waren die für die Pfarrstellenbesetzung verantwortlichen Zehntherren von auswärts und katholisch.

    Die Zehntherren waren ab 1597 die Brüder Valentin und Dieter von Mespelbrunn, den Mespelbrunnern folgten ab 1719 die Fürstbischöfe von Würzburg und Bamberg, und von 1802 bis 1918 die Fürsten von Löwenstein-Wertheim-Rosenberg.

Die Bauphasen der Kilianskirche

Bauphasen des Turmes

Um 1050 entstehen Turm und Chorraum mit seinem mächtigen Tonnengewölbe.

 

Um 1200 wird die Kirche erstmals erweitert, das Schiff wird im jetzigen Grundriss erstellt.

 

Um 1300 wird das Dach erhöht, die Glocken (1300/1320) werden angeschafft und die Fresken entstehen. Die Geschichte der Glocken erfahren Sie hier: http://www.stimme.de/heilbronn/nachrichten/schozach-bottwar/sonstige;art1909,1075816

 

Um 1450 erhält die Kirche ihr jetziges Aussehen, die spätgotischen Fresken entstehen.

 

1716 wird die Kirche mit Hilfe der adligen Herren, des Ritterkantons Kocher und verschiedener Reichsstädte restauriert, dabei werden die großen Fenster eingerichtet und die Kirche, wie im Barock üblich, heller gemacht.

 

1907 wird die Kirche renoviert, ein erhöhter Schlossstuhl für die Herrschaft vom Schloss eingerichtet, bei der dazu notwendigen Entfernung der Seitenemporen werden die ersten Fresken entdeckt.

 

1956 erfolgt unter Pfarrer Mayer die letzte ganz große Renovierung, bei der die Fresken an der Nord- und Ostwand entdeckt werden.

 

1984 werden die Fresken und das Innere der Kirche gereinigt.

 

1996 wird der Turm und die Glocken saniert.

 

Im Sommer 2010 werden die Fresken erneut gereinigt, mehr dazu erfahren Sie bei der Rubrik "Fresken".

Die Fresken

1956 werden die 11 frühgotischen Fresken (um 1300) der Nordwand freigelegt, von denen leider nur 4 vollständig sind. Die restlichen 7 Fresken sind beim Einbau der Fenster 1716 und des Schlossstuhls 1907 teilweise zerstört worden, weil man von deren Existenz nichts wusste.

Der Fries wird durch einen gemeinsamen schmuckvollen Rahmen zusammengehalten. Jedes Bild ist durch 2 Säulen begrenzt, die einen Spitzbogen tragen. Über den Spitzbögen sind Propheten aus dem Alten Testament mit einer Schriftrolle abgebildet, durch die sie auf die Erfüllung ihrer Weissagungen im Neuen Testament hinweisen.

Die frühgotischen Fresken im Chor zeigen Christus in Mandorla, die 4 Evangelisten und Engel mit Posaunen.

An der Südwand sehen wir das Wappen der Herren von Talheim, eine Königsfigur, die Heiligen Christophorus, Martin und Michael sowie eine nicht mehr identifizierbare Heiligenlegende.

Die spätgotischen Fresken an der Ostwand zeigen die Geburt Jesu und die Begegnung Marias mit Elisabeth. Unter dieser Schicht liegt die frühgotische Fortsetzung des Nordwandfrieses und darunter noch eine romanische Bilderschicht. Da man sich nicht sicher war, wie gut diese Schichten erhalten sind, ließ man es bei den spätgotischen Bildern.

Spätgotisch sind auch die Darstellungen der klugen und törichten Jungfrauen im Chorbogen und die Reste eines Ziboriums von 1450 in der Nordostecke über einem ehemaligen Marienaltar.

 

Im Sommer 2010 werden die Fresken gereinigt, ebenso die unbemalten Wände in der Kirche und die Grabmäler. Zur besseren Belüftung der immer feuchten Kirche wird eine computergesteuerte Fensteröffnungsanlage eingebaut, die entsprechend der klimatischen Bedingungen außerhalb der Kirche das Fester öffnet bzw. schließt.

Wenn Sie die Berichte dazu in der Heilbronner Stimme nachlesen möchten, so klicken Sie bitte hier (nach der Fertigstellung 2010): http://www.stimme.de/heilbronn/nachrichten/schozach-bottwar/sonstige;art1909,1952918

und hier (während der Arbeiten 2010): http://www.stimme.de/heilbronn/nachrichten/schozach-bottwar/sonstige;art1909,1911134

und hier (vor Beginn der Renovierung 2010): http://www.stimme.de/heilbronn/nachrichten/schozach-bottwar/sonstige;art1909,1888476

und hier (Planungsphase 2009): http://www.stimme.de/heilbronn/nachrichten/schozach-bottwar/sonstige;art1909,1428152

und hier (Vorbericht 2008): http://www.stimme.de/heilbronn/nachrichten/schozach-bottwar/sonstige;art1909,1344481

Die Grabmäler

Insgesamt gibt es 14 Grabmäler oder Epitaphien in der Kirche, von denen 8 fest eingebaut sind. Fünf der betreffenden Adligen sind in der Kirche beerdigt. 8 Grabplatten gehören den Herren von Talheim, 2 den Herren von Sperberseck, 3 den Herren von Frauenberg und 1 trägt den Namen Leutrum-Ertingen.

 

Künstlerisch am wertvollsten ist der Steinepitaph des Christoph von Talheim (gest. 1572) und seiner Frau Barbara von Weiler (gest. 1585). Schöpfer ist wahrscheinlich Simon Schlör aus Schwäbisch Hall, der Steinmetz der Herzöge von Württemberg.

Die anrührendste Geschichte verbirgt sich hinter den beiden Kindergrabmälern an der Südwand. Es sind die beiden Söhne des Hans Ludwig von Frauenberg (1584-1636), der als Verteitiger des evang. Glaubens im 30jährigen Krieg direkt unter der Kanzel begraben wurde. Sein Sohn Ludwig aus erster Ehe mit Katharine Schertlin von Burtenbach starb 1600 im Alter von 3 Jahren, 11 Wochen und 4 Tagen. Sein Sohn Frantz Ludwig aus zweiter Ehe mit Dorothea Hofwarthin von Kirchheim verstarb 1616 im Alter von 3 Wochen. Somit ist das Geschlecht ausgestorben, Schloss und Vermögen gehen durch die überlebende Tochter Anna Elisabeth an die Sperberseck über.

 

Hier ein Bericht über die Grablege der Herren von Talheim: http://www.stimme.de/heilbronn/nachrichten/schozach-bottwar/sonstige;art1909,1087163

 

Die Grabmäler wurden zusammen mit den Fresken 2010 gereinigt, siehe Artikel oben.

Zur Orgel

Bis etwa 1727 gab es in unserer Kirche keine Orgel, in den Kirchenbüchern ist festgehalten, dass in diesem Jahr für eine Orgel gesammelt wurde und die dann 1730 eingebaut worden ist. Oragnisten gab es nicht, die Gemeindeglieder spielten die Orgel und wurden zu Weihnachten mit 4 Maß Wein entschädigt.

1762 war dieses erste Instrument schon so brüchig, dass eine neue Orgel angeschafft werden musste. Eine Spenderliste ist heute noch vorhanden, durch Haussammlung wurden die Mittel zusammengebracht. Baumeister war ein Nürnberger Orgelbauer.

1836 musst auch diese Orgel ersetzt werden, diesmal von Orgelbauer Schäfer aus Heilbronn.

Erst 1907 war diese Orgel am Ende. Für die damals riesige Summe von 3250 Mark gab es eine neue, die alte wurde für 200 Mark an einen Liebhaber abgegeben.

Die 5. Orgel wurde 1956 von der Orgelfabrik Walcker eingebaut unter Verwendung noch brauchbarer Teile der Vorgängerorgel. Der Preis betrug 23 900 DM.

Bis 1920 waren zum Erklingen der Orgel die sogenannten Orgeltreter notwendig. Meist handelte es sich dabei um ärmere Talheimer, die sich durch das Treten des Blasebalges etwas dazuverdienten. zwischen 1920 und 1930 waren es junge Männer, die sich den Dienst im Wechsel aufteilten. Nach 1930 wurde niemand mehr zum Orgeltreten gefunden, man musste die erste elektrische Leitung zur Kirche legen und ein Orgelgebläse anschaffen.

Im Königreich Württemberg war es von 1805 an Pflicht des Lehrers, die Orgel zu spielen. Im Lehrergehalt war das Organistengehalt eingeschlossen, erst 1920 wurde diese Bindung aufgehoben. zu jener Zeit betrug das Organistengehalt 300 Mark und stieg im Laufe der Inflation auf 6000 Mark. Im Herbst 1923 stellte der Organist den Antrag, in Naturalien bezahlt zu werden. Er erhielt also nach der Ernte 5 Zentner Weizen als Entlohnung für den Zeitraum von September 1923 bis August 1924. Jeder Getreideanbauer musste 10 kg Weizen abliefern, die ihm dann als Kirchensteuer-vorauszahlung angerechnet wurden.

Trotzdem spielten auch nach 1920 die Lehrer der evang. Schule noch lange die Orgel. So zum Beispiel Christian Leichtle, Oberlehrer Riethmüller und Oberlehrer Speck. Erst nach 1949 setzt mit Edeltraut Fahrion, Chartlotte von Schubert, Brigitte Mayer und Christa Schrempf die Reihe der tüchtigen Organistinnen ein, die keine ausgebildeten Lehrer waren. Seit 1998 haben wir mit Martin Lamm aus Lauffen einen kompetenten, engagierten Organisten. Die Orgel von 1956 wurde 2003 generalüberholt zum Preis von rund 25 000 Euro durch die Firma Mauch.

Der evangelische Friedhof

Der Friedhof um die Kilianskirche ist bis 1809 der einzige Friedhof in Talheim.

Es ist davon auszugehen, dass seit dem Bau der Kirche vor beinahe 1000 Jahren der sie umgebende Kirchhof als Friedhof benutzt wurde. Die Katholiken im Ort mussten nach der Reformation (in Talheim um 1550) für das Geläut und die Beerdigung jeweils die Genehmigung des evang. Pfarrers einholen.

Dazu wurde berichtet: http://www.stimme.de/heilbronn/nachrichten/schozach-bottwar/top1;art1909,308358

 

Ab 1809 entsteht um die kath. Kirche ein Friedhof für die Katholiken. Der evang. Friedhof ist bis 1970 voll in Benutzung, war allerdings - trotz einer Erweiterung um 1946 - seit vielen Jahren überbelegt. Die Liegezeit betrug zum Teil nur noch neun Jahre! 1970 hat dann die bürgerliche Gemeinde den neuen Friedhof in den Rohräckern angelegt. Seit dieser Zeit wurden auf dem evang. Friedhof nur noch Familienangehörige in bereits bestehenden Gräbern beigesetzt. Mit der Bestattung von Frau Charlotte von Schubert, der letzten Bewohnerin des Talheimer Schlosses, wird der Friedhof im Mai 2008 endgültig geschlossen.

Seit 2004 laufen die Planungen zur Umgestaltung des Friedhofes in einen Park. Nachdem nun alle behördlichen (oft hinderlichen) Instanzen durchlaufen sind, haben Ende Juni 2011 die Umbauarbeiten begonnen. Die Fertigstellung erfolgte Ende September und am 3. Oktober 2011 wurde der Friedhof als Friedhofspark der Öffentlichkeit vorgestellt. In der Heilbronner Stimme wurde mehrfach über die große Aktion berichtet.

 

Die ersten Planungen begannen 2004, hier erfahren Sie mehr dazu:

"Wunsch Vieler: Friedhofscharakter muss erhalten bleiben!" http://www.stimme.de/heilbronn/nachrichten/schozach-bottwar/top2;art1909,288342

 

Im Juni diesen Jahres war es dann endlich so weit, die Umbauarbeiten beginnen "Gottesacker wird zum Friedhofspark":  http://www.stimme.de/heilbronn/nachrichten/schozach-bottwar/sonstige;art1909,2162213

 

Im Juli schrieb die Heilbronner Stimme dazu "Neues Gesicht für einen Kultort": http://www.stimme.de/heilbronn/nachrichten/schozach-bottwar/sonstige;art1909,2190633

 

Auch unter dem Friedhof gibt es einiges zu entdecken:

http://www.stimme.de/heilbronn/nachrichten/schozach-bottwar/top1;art1909,480614